Kyotos Amphibienparadies
Hannah
Hannah
| 14-09-2026
Naturteam · Naturteam

Kyotos Gärten bieten Lebensraum für heimische Amphibien

Wo Amphibien einst frei hüpfen und umherwandern konnten, schränkt die zunehmende Verstädterung ihren Lebensraum immer weiter ein.
Doch kleine, von Menschen gepflegte Gewässer – etwa in den Gärten japanischer Tempel, Schreine und Schulen – sind auch innerhalb städtischer Gebiete erhalten geblieben und bieten unseren feuchtigkeitsliebenden Nachbarn wertvolle Rückzugsorte.
Obwohl Teiche und Bäche in den Gärten der Tempel und Schreine Kyotos als Teil der Kulturlandschaft gepflegt werden, ist ihre Bedeutung als Lebensraum für Amphibien in Städten bislang kaum untersucht worden. Dies veranlasste ein von der Universität Kyoto geleitetes Forschungsteam dazu, die Eignung dieser Gärten als Lebensraum zu untersuchen.
Die Forschenden erkannten darin das Potenzial sogenannter biokultureller Gewässerlandschaften, in denen Kultur und biologische Vielfalt aufeinandertreffen.
Kyotos Amphibienparadies
Für ihre Suche nach heimischen Amphibien nutzten die Forschenden sowohl visuelle Untersuchungen als auch DNA-Analysen. Einige Arten sind nur schwer direkt zu beobachten, während andere zu bestimmten Jahreszeiten kaum nachweisbar sind. In 31 Tempeln, Schreinen und zugehörigen Einrichtungen im Stadtteil Higashiyama in Kyoto untersuchten sie 80 Gewässer.
Bei den visuellen Erhebungen konnten sie erwachsene Tiere, Eier und Larven identifizieren, während sie mithilfe akustischer Untersuchungen die Rufe der Amphibien bestimmten.
Darüber hinaus führten die Forschenden an 43 dieser Gewässer Analysen der Umwelt-DNA durch. Zusätzlich erfassten sie den Gewässertyp, die Wasserquelle und die Strömungsverhältnisse, die Entfernung zum Wald, die Uferstruktur sowie das Vorhandensein oder Fehlen von Karpfen, um die Beziehung zwischen den Arten und den Umweltbedingungen zu untersuchen.
Die Forschung wurde in der Fachzeitschrift Urban Ecosystems veröffentlicht.
Insgesamt identifizierten die Wissenschaftler sieben Froscharten – sechs einheimische und eine nicht heimische – sowie eine Molchart, die in den Gärten Kyotos leben. Außerdem stellten sie fest, dass sich die einzelnen Arten in ihrer Beziehung zu den jeweiligen Umweltbedingungen unterschieden.
Auch die Kombination aus visuellen Untersuchungen und DNA-Analysen erwies sich als besonders hilfreich: Die Art Rana tagoi konnten die Forschenden ausschließlich anhand der Umwelt-DNA nachweisen. Für den Nachweis einer erfolgreichen Fortpflanzung waren dagegen direkte Beobachtungen von Froscheiern und Kaulquappen unerlässlich.
„Wir haben Amphibien an deutlich mehr Gewässern beobachtet als erwartet. Dadurch wurde uns bewusst, wie artenreich die lokalen Uferbereiche – auch rund um Tempel und Schreine – tatsächlich sind“, sagt Erstautorin Kae Okoshi.
Kyotos Amphibienparadies
Die Ergebnisse eröffnen die Möglichkeit, diese kulturell bedeutsamen Gewässer neu zu betrachten – nämlich auch als Lebensräume für die biologische Vielfalt. Sie könnten zudem Einfluss darauf haben, wie Teiche in Schulen und Parks künftig gepflegt und Standorte bewertet werden, an denen das Zusammenleben mit der Natur gefördert werden soll.
„Wir möchten unsere Arbeit auf die Menschen ausweiten, denen diese Gärten gehören oder die sie verwalten. Gemeinsam wollen wir Ansätze für die Pflege von Gewässern entwickeln, bei denen sowohl das kulturelle Erbe als auch die biologische Vielfalt berücksichtigt werden“, sagt Okoshi.