Mutiny enttäuscht

· Unterhaltungsteam
Mutiny – Kritik
Die denkbar oberflächlichste Version einer maritimen Rachegeschichte mit Jason Statham
Es ist selten, dass ein ohnehin schon kurzer Film derart überladen wirkt. Trotz einer Laufzeit von gerade einmal 95 Minuten fühlt sich der maritime Jason-Statham-Film Mutiny wie ein unausgereifter Rohschnitt an, der nur wenige wirklich gelungene oder unterhaltsame Actionszenen zu bieten hat.
Schon die in medias res einsetzende Eröffnung, in der Stathams Figur Cole Reed – ein Leibwächter und ehemaliger britischer Marineinfanterist – den furiosen Auftritt des Schauspielers aus der Fast & Furious-Reihe in einem Fahrzeug nachahmt, allerdings mit deutlich weniger Stil und Wirkung, vermittelt das Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt. Dieses Gefühl zieht sich praktisch durch den gesamten Film.
Reed ist seit fünf Jahren in Bangkok stationiert und hat die Aufgabe, den wohlhabenden Reedereimagnaten Tibu Campallo (Ramon Tikaram) zu beschützen, während dieser gemeinsam mit seinem Sohn Kameron (Chaneil Kular) den Verkauf seines Imperiums vorbereitet.
Nach einer emotionalen Abschiedsfeier, bei der der gutmütige Milliardär Reed eine Rolex schenkt und ihn wie ein Familienmitglied willkommen heißt, werden die beiden von bewaffneten Männern überfallen und Tibu wird getötet.
Bis es überhaupt dazu kommt, quält sich der Film durch zahlreiche lustlose Dialogwechsel. Danach würde man erwarten, dass die Handlung an Fahrt aufnimmt, während Reed einen der Attentäter zu einem von Tibús Frachtern verfolgt, der noch am selben Abend ausläuft. Doch der Film bleibt bei jedem Schritt langsam und unsicher.
Reeds Ermittlungen auf See werden zusätzlich durch die Entdeckung eines mit armen, unterernährten südostasiatischen Flüchtlingen gefüllten Schiffscontainers erschwert.
Dadurch kommt ein schmutziges Nebengeschäft ans Licht, das offenbar ohne das Wissen seines verstorbenen Arbeitgebers betrieben wurde. Fast jedes Mitglied der internationalen Besatzung scheint darin verwickelt zu sein – mit Ausnahme der unscheinbaren ehemaligen US-Marineoffizierin Angie Ellis (Annabelle Wallis).
Gemeinsam mit ihr durchläuft Reed eine zerstreute, zusammenhanglose und oft orientierungslose Reihe kleinerer Actionszenen auf dem gesamten Schiff.
Unter der Regie von Jean-François Richet – dessen Dschungel-Zweipersonenfilm Plane durchaus solide war – ist Mutiny ein seltsam holpriges Erlebnis. Jede weitere Szene wirkt sowohl visuell als auch sprachlich übertrieben, als müsste jede Einstellung künstlich in die Länge gezogen werden, um eine vorgeschriebene Laufzeit zu erreichen.
Was genau schiefgelaufen ist, lässt sich schwer sagen. Sollte sich jedoch herausstellen, dass die Produktion schlicht nicht genügend brauchbares Filmmaterial hatte, wäre das kaum überraschend.
Ein kleines, aber bezeichnendes Beispiel:
Ein Menschenhändler blickt zu einem Wachturm hinauf und funkt seinen Komplizen zu: „Ich gehe da hoch.“ Anschließend folgt die Kamera ihm ausgiebig dabei, wie er zur Leiter geht und tatsächlich jede einzelne Sprosse hinaufsteigt, bis er oben angekommen ist.
Multipliziert man das mit mehreren Dutzend solcher Szenen, wartet man letztlich häufiger darauf, dass etwas passiert, als dass tatsächlich etwas passiert.
Statham, normalerweise ein fähiger Actiondarsteller, spult seine Rolle nahezu schlafwandlerisch ab – ohne einen einzigen markanten Spruch oder eine kraftvolle Pose.
Statham, normalerweise ein fähiger Actiondarsteller, spult seine Rolle ebenfalls nahezu schlafwandlerisch ab – ohne einen einzigen markanten Spruch oder eine kraftvolle Pose. Über Reed selbst erfährt man kaum etwas, außer dem, was andere Figuren über ihn erzählen.
Ein Großteil davon wird durch Erklärungen von einem nahegelegenen US-Marineschiff vermittelt, das heldenhaft den Indischen Ozean patrouilliert. Aber bloß nicht anfangen, über die politischen Implikationen angesichts der heutigen Lage in der Straße von Hormus nachzudenken. Mutiny ist einfach nicht diese Art von Film, Junge.
Dabei huldigt der Film auf Schritt und Tritt der Macht. Er zeigt sowohl militärische Stärke als auch wohlwollende Milliardäre voller Ehrfurcht, die offenbar nicht für die Verfehlungen ihrer Untergebenen zur Verantwortung gezogen werden können. Und doch fehlt Mutiny ausgerechnet die Macht, die ein solcher Film zumindest ästhetisch besitzen sollte.
Nur wenige Treffer haben den wuchtigen Klang oder die knackige visuelle Wirkung, für die man bei einem solchen Actionfilm bezahlt.
Zu Beginn gibt es genau eine Actionszene, die ziemlich gelungen ist: Reed angelt sich einen Schläger mit einem riesigen Vorhängeschloss. Doch den Rest seiner Laufzeit verbringt Mutiny damit, vergeblich zu versuchen, dieses Niveau wieder zu erreichen.
Die bereits erwähnten Flüchtlinge verschwinden praktisch aus der Handlung, während Reed und Ellis auf und ab durch identische Treppenhäuser laufen, wiederholt Schusswechseln ausweichen oder sich daran beteiligen. Gleichzeitig tritt die Handlung auf der Stelle und wartet darauf, dass die nahegelegene US Navy eintrifft, nur um anschließend nichts Bemerkenswertes zu tun.
Ein besonderer Gruß geht an den herrlich muskelbepackten Navy-Komparsen, der exakt null Schläge austeilen darf.
Das Schiff soll theoretisch selbst eine Art Charakter sein, doch seine räumliche Struktur bleibt derart vage und undeutlich, dass die einzelnen Einstellungen häufig nicht zusammenpassen.
Man ertappt sich dabei, wie man verzweifelt versucht herauszufinden, wer gerade wen ansieht oder wo genau jemand steht. Immer wieder schneidet der Film zwischen identischen, grimmigen Figuren hin und her, die im Schatten kaum zu erkennen sind.
Das Ergebnis ist ein visueller Einheitsbrei ohne emotionalen Kern und mit nur sehr wenigen wirklich packenden Momenten. Besonders enttäuschend ist das angesichts der zahlreichen Waffen, Klingen und anderen Gegenstände, die sich für kreative Actioneinlagen anbieten würden.
Stattdessen bekommt man eine Parade cartoonhafter Bösewichte, die uninspirierte Enden finden – besiegt von Helden, deren einzige Tugend ihr ehemaliger militärischer Hintergrund zu sein scheint, und das in einer Umgebung, die eigentlich wesentlich aufregender sein müsste.
Doch leider gilt: Von Deck bis Kombüse ist Mutiny eine gewaltige Langeweile.