Warnungen im Netz

· Wissenschaftsteam
Warnhinweise zu den möglichen gesundheitlichen Risiken sozialer Medien könnten Jugendliche und junge Erwachsene dazu bewegen, ihre Nutzung zu reduzieren.
Das legt eine neue Studie unter Leitung der Stanford Medicine nahe.
Die Untersuchung zeigt, dass bereits kurze Hinweise auf mögliche psychische Belastungen das Bewusstsein für Risiken stärken und die Bereitschaft zum weiteren Scrollen verringern könnten.
An der Studie nahmen 1.012 Personen teil. Etwa die Hälfte war zwischen 13 und 17 Jahre alt, die übrigen Teilnehmenden zwischen 18 und 29 Jahren.
Die Ergebnisse wurden am 4. September online im Fachjournal JAMA Health Forum veröffentlicht.
Die Forschenden testeten 14 verschiedene Warnhinweise zu sozialen Medien sowie eine Kontrollnachricht ohne Bezug zu Social Media. Die Teilnehmenden sahen die Hinweise in einer Darstellung, die an Instagram erinnerte.
Anschließend bewerteten sie, wie stark die jeweiligen Botschaften ihre Motivation zur Nutzung sozialer Plattformen verringerten und wie sehr sie auf mögliche gesundheitliche Folgen aufmerksam machten.
Psychische Gesundheit im Fokus
Die Warnhinweise behandelten verschiedene Themen. Dazu gehörten Abhängigkeit, negatives Körperbild, Schlafstörungen, Depressionen, Angstzustände, allgemeine Auswirkungen auf die psychische Gesundheit sowie der Hinweis, dass soziale Medien für junge Menschen bislang nicht als sicher nachgewiesen sind.
Besonders starke Reaktionen lösten Hinweise zu allgemeinen psychischen Belastungen, Depressionen und Angstzuständen aus. Insgesamt wurden die Warnhinweise zu sozialen Medien als wirksamer eingeschätzt als die themenfremde Kontrollnachricht.
Die Studie verglich außerdem Gesundheitswarnungen mit einem Hinweis, der Nutzer zu einer Bildschirmpause aufforderte. Solche Erinnerungen werden bereits von einigen Plattformen eingesetzt. Mit Ausnahme des Hinweises auf Abhängigkeit wurden die gesundheitsbezogenen Botschaften als wirksamer bewertet.
Die Hauptautorin Anna Grummon, PhD, Assistenzprofessorin für Pädiatrie an der Stanford Medicine, betonte die Bedeutung der konkreten Formulierung. Entscheidend sei herauszufinden, welche Wortwahl das Verhalten tatsächlich beeinflussen könnte, anstatt davon auszugehen, dass jede Warnung denselben Effekt hat.
Ähnliche Reaktionen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen
Eine unerwartete Beobachtung war, wie ähnlich Jugendliche und junge Erwachsene auf die Warnhinweise reagierten. Die Forschenden hatten vermutet, dass das Alter einen größeren Einfluss haben könnte, da sich digitale Gewohnheiten und Online-Umgebungen zwischen Jugendalter und frühem Erwachsenenalter schnell verändern können.
Stattdessen gaben beide Altersgruppen durchgehend an, dass die Warnhinweise ihre Bereitschaft zur Nutzung sozialer Medien verringern könnten. Auch der leitende Studienautor Thomas Robinson, MD, Irving Schulman, MD, Professor für Kindergesundheit, berichtete von weitgehend ähnlichen Reaktionen in beiden Gruppen.
Die Forschenden untersuchten außerdem den geplanten Warnhinweis des US-Bundesstaates Kalifornien. Dort wurde ein Gesetz verabschiedet, das solche Hinweise ab dem 1. Januar 2027 vorschreibt. Die längere Formulierung schnitt ähnlich ab wie mehrere kürzere Gesundheitswarnungen.
Warum die Studie relevant ist
Die Untersuchung knüpft an eine Forderung des damaligen US Surgeon General Vivek Murthy aus dem Jahr 2024 an. Er hatte Gesundheitswarnungen für soziale Medien vorgeschlagen, die mit den Hinweisen auf Produkten mit bekannten Gesundheitsrisiken vergleichbar sind.
Seitdem haben Kalifornien, Colorado, Minnesota und New York Gesetze zu Warnhinweisen für soziale Medien verabschiedet. Auch in weiteren US-Bundesstaaten wurden entsprechende Vorschläge eingebracht.
Frühere Studien haben einen intensiven Gebrauch sozialer Medien mit Depressionen, Angstzuständen, einem negativen Körperbild und Schlafproblemen in Verbindung gebracht.
Die aktuelle Untersuchung prüfte jedoch nicht direkt, ob die Teilnehmenden nach dem Lesen der Warnungen tatsächlich weniger Zeit in sozialen Medien verbrachten.
Das ist eine wichtige Einschränkung: gemessen wurde die wahrgenommene Wirksamkeit der Warnungen, nicht eine tatsächliche Veränderung des Nutzungsverhaltens.
Was als Nächstes untersucht werden soll
Das Stanford-Team möchte nun prüfen, ob solche Warnhinweise die Nutzung sozialer Medien über einen längeren Zeitraum messbar reduzieren können.
Grummon erklärte, dass wirkungsvolle Gesundheitswarnungen das Verhalten beeinflussen können.
Bei sozialen Medien stellt sich jedoch eine besondere Herausforderung: die Hinweise erscheinen möglicherweise nur kurz als Pop-ups und bleiben nicht dauerhaft sichtbar.
Weitere Untersuchungen müssen daher nicht nur die Formulierung der Warnungen berücksichtigen. Auch die Häufigkeit, ihre Platzierung auf der jeweiligen Plattform und die Frage, ob die Wirkung bei wiederholter Anzeige nachlässt, könnten eine wichtige Rolle spielen.
Die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass Gesundheitswarnungen ein mögliches Instrument für einen bewussteren Umgang mit sozialen Medien sein könnten. Für Aussagen über ihre langfristige Wirkung sind jedoch weitere Untersuchungen erforderlich.