Europas Geheimtipps

· Reiseteam
Europas berühmteste Städte ziehen jedes Jahr Millionen von Besuchern an. Doch einige der schönsten Erlebnisse des Kontinents findet man abseits der üblichen Touristenrouten.
Kleinere Städte verbinden erstklassige Museen, einzigartige Architektur und lokale Traditionen mit einer entspannteren Atmosphäre und oft einem besseren Preis-Leistungs-Verhältnis.
Von kreativen Vierteln in Frankreich über Schätze der Renaissance bis hin zu mittelalterlichen Gassen zeigen diese Reiseziele, dass ein unvergesslicher Städtetrip nicht mit langen Warteschlangen verbunden sein muss.
Nantes: Frankreichs kreative Stadt an der Loire
An den Ufern der Loire hat Nantes seine industrielle Vergangenheit in eines der fantasievollsten Kulturziele Frankreichs verwandelt. Einst ein bedeutendes Zentrum des Schiffbaus, sind die ehemaligen Hafengebiete heute ein kreatives Viertel, das auch vom Vermächtnis des Schriftstellers Jules Verne inspiriert ist, der hier geboren wurde.
Die ungewöhnlichste Sehenswürdigkeit ist Les Machines de l’Île, ein einzigartiges Kunstprojekt, das Ingenieurskunst, Theater und Skulptur miteinander verbindet.
Besucher können auf dem berühmten Grand Éléphant Platz nehmen – einem zwölf Meter hohen mechanischen Elefanten, der durch das ehemalige Werftgelände läuft – oder fantastische Kreaturen in der Galerie des Machines entdecken.
Ein weiteres Highlight ist das Carrousel des Mondes Marins, ein dreistöckiges Karussell, das von Vernes Unterwasserabenteuern inspiriert wurde. Es bietet sowohl Kindern als auch Erwachsenen ein außergewöhnliches Erlebnis und verbindet Technik mit fantasievollem Geschichtenerzählen.
Auch zu Fuß lässt sich Nantes hervorragend erkunden. Die Ligne Verte (Grüne Linie) führt an vielen der wichtigsten Sehenswürdigkeiten vorbei, darunter das mittelalterliche Château des ducs de Bretagne, das Musée d’arts de Nantes und der wunderschöne Jardin des Plantes.
Reiseinfos:
Tickets für Les Machines de l’Île kosten je nach Attraktion etwa 10–15 €. Die Anlage ist in der Regel von Dienstag bis Sonntag geöffnet, wobei die Öffnungszeiten je nach Saison variieren. Für Nantes sollten Reisende mit einem Tagesbudget von etwa 90–150 € rechnen, einschließlich Unterkunft, Verpflegung und Besichtigungen.
Für ein besonderes Essen lohnt sich ein Besuch in La Cigale, einer Art-déco- bzw. Jugendstil-Brasserie nahe der Place Graslin, die traditionelle französische Fisch- und Meeresfrüchtegerichte in einem historischen Ambiente serviert.
Basel: Schweizer Zentrum für Kunst und Design
Basel liegt am Rhein und wird von Reisenden auf dem Weg nach Zürich oft übersehen. Dabei gehört die Stadt zu den beeindruckendsten Zielen Europas für Kunstliebhaber. Sie verbindet eine charmante Altstadt mit international renommierten Museen und innovativer Architektur.
Das Kunstmuseum Basel beherbergt eine der größten Kunstsammlungen der Schweiz. Die Werke reichen über mehrere Jahrhunderte und umfassen Künstler wie Monet, Van Gogh und Warhol. Das Museum Tinguely bietet dagegen ein völlig anderes Erlebnis und zeigt die mechanischen und verspielten Werke des Schweizer Künstlers Jean Tinguely.
Außerhalb des Stadtzentrums lohnt sich ein Besuch der Fondation Beyeler, die für ihre Ausstellungen moderner und zeitgenössischer Kunst bekannt ist, sowie des Vitra Design Museums jenseits der deutschen Grenze.
Auch der Vitra-Campus selbst ist eine Sehenswürdigkeit: dort stehen Gebäude berühmter Architekten wie Frank Gehry und Zaha Hadid.
Reiseinfos:
Basel ist teurer als viele andere europäische Städtereiseziele. Reisende sollten mit etwa 170–250 € pro Tag für Unterkunft, Verpflegung und Museumsbesuche rechnen. Museumstickets kosten in der Regel 15–25 €, während Hotels im Zentrum häufig bei etwa 150 € pro Nacht beginnen.
In den warmen Monaten gehen Einheimische gerne im Rhein schwimmen. Diese besondere Tradition bietet Besuchern eine ungewöhnliche Möglichkeit, die Stadt zu erleben.
Lübeck: Deutschlands hanseatischer Schatz
Das norddeutsche Lübeck verbindet mittelalterliche Architektur, maritime Geschichte und entspannte norddeutsche Atmosphäre auf besondere Weise. Einst Zentrum der mächtigen Hanse, gehört die historische Altstadt heute zum UNESCO-Welterbe.
Das Wahrzeichen Holstentor führt Besucher in eine Welt aus Backsteinkirchen, versteckten Innenhöfen und schmalen Gassen. Hinter vielen der historischen Kaufmannshäuser verbergen sich ruhige Gänge und kleine Gärten, die einen ganz anderen Einblick in das mittelalterliche Leben geben.
Das Europäische Hansemuseum erzählt die Geschichte Lübecks als eines der bedeutendsten Handelszentren Europas. Das Museum Behnhaus Drägerhaus zeigt dagegen deutsche und europäische Kunst des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Eine Bootsfahrt rund um die Altstadtinsel gehört zu den schönsten Möglichkeiten, Lübecks sieben Türme und die historische Stadtsilhouette zu bewundern.
Reiseinfos:
Lübeck ist vergleichsweise preiswert. Mit einem Tagesbudget von etwa 100–160 € lässt sich die Stadt gut erkunden. Bootstouren kosten ungefähr 8–10 € pro Person, während traditionelle Restaurants regionale Gerichte für etwa 15–25 € anbieten.
Wer regionale Küche probieren möchte, sollte die Schiffergesellschaft besuchen, ein historisches Restaurant, das für norddeutsche Spezialitäten und Fischgerichte bekannt ist.
Parma: Italiens ruhiges Renaissance-Juwel
Während Städte wie Venedig und Florenz mit überfüllten Straßen zu kämpfen haben, bietet Parma eine ruhigere Möglichkeit, die italienische Kultur zu erleben. Die elegante Stadt verbindet Kunst aus der Renaissance mit einer der bedeutendsten kulinarischen Traditionen Italiens.
Das Stadtzentrum lässt sich bequem zu Fuß erkunden. Ein guter Ausgangspunkt sind der beeindruckende Dom von Parma und das nahegelegene Baptisterium, das für seine mittelalterliche Architektur und farbenprächtigen Innenräume bekannt ist.
Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist der Palazzo della Pilotta, ein weitläufiger Kulturkomplex mit mehreren Museen, dem historischen Teatro Farnese und der Galleria Nazionale di Parma. Dort können Besucher Meisterwerke von Leonardo da Vinci, Tintoretto und Canaletto bewundern – meist ohne die Menschenmassen, die man aus Italiens berühmtesten Galerien kennt.
Parma ist natürlich auch für seine Küche berühmt. Reisende sollten unbedingt Prosciutto di Parma, Parmigiano Reggiano und traditionelle Pastagerichte in einer der örtlichen Trattorien probieren.
Reiseinfos:
Das Ticket für den Palazzo della Pilotta kostet etwa 18 € und beinhaltet den Zugang zu mehreren Attraktionen. Für Parma sollte man mit einem Tagesbudget von ungefähr 100–170 € rechnen. Traditionelle Restaurants bieten hausgemachte Pastagerichte häufig für weniger als 15 € an.
Für ein authentisches Essen empfiehlt sich die Trattoria Corrieri, eines der traditionsreichen Restaurants der Stadt, das für seine klassische Küche bekannt ist.
Santander: Spaniens kulturelle Auszeit am Meer
An der Nordküste Spaniens verbindet Santander wunderschöne Strände, elegante Architektur und eine wachsende Kulturszene. Früher vor allem als Fährhafen bekannt, entwickelt sich die Stadt zunehmend zu einem interessanten Ziel für einen Kurztrip.
Das am Wasser gelegene Centro Botín, entworfen vom Architekten Renzo Piano, ist das moderne kulturelle Wahrzeichen der Stadt. Seine Ausstellungen präsentieren internationale Künstler der Gegenwart. Das neue Faro Santander erweitert das kulturelle Angebot zudem um Werke aus der Sammlung der Banco Santander.
Neben Kunst und Kultur ist Santander für seine entspannte Küstenatmosphäre bekannt. Der Strand El Sardinero ist nur eine kurze Busfahrt vom Zentrum entfernt. In den Restaurants der Stadt werden hervorragende Fisch- und Meeresfrüchtegerichte sowie traditionelle Pinchos serviert.
Reiseinfos:
Santander gehört zu den preiswertesten Reisezielen dieser Liste. Reisende können mit einem Tagesbudget von etwa 80–140 € rechnen. Museumstickets kosten meist 5–10 €, und komfortable Hotels sind häufig ab etwa 70 € pro Nacht zu finden.
Für die lokale Küche bieten sich Fischrestaurants an der Uferpromenade oder traditionelle Bars an, die Pinchos nach kantabrischer Art servieren.
Diese weniger bekannten europäischen Städte zeigen, dass die besten Städtereisen nicht immer in den berühmtesten Hauptstädten zu finden sind. Weniger Menschenmassen, vielfältige kulturelle Erlebnisse und eine authentischere Atmosphäre ermöglichen es Reisenden, Europa in einem langsameren und zugleich intensiveren Tempo zu entdecken.